| Stress
Stress beschreibt einen Zustand, in dem ein Organismus auf eine innere
oder äußere Bedrohung reagiert und seine Kräfte darauf
konzentriert, die Gefahrensituation zu bewältigen. Man unterscheidet
Eustress – optimale Reaktionsbereitschaft und körperliches
Leistungsvermögen durch gesteigerte Energieversorgung des Körpers
und Distress – krankhafte Veränderung durch lang anhaltenden
oder starken Stress – Erkrankungen des Immunsystems, Nieren-,
Herz-, Kreislauf- und Magen-Darmerkrankungen, erhöhte Aggressionsbereitschaft.
Was passiert im Körper, wenn man Stress hat?
Sobald der Körper in Stress gerät, werden verschiedene Hormone
ausgeschüttet, die man zusammengefasst als Stresshormone bezeichnen
kann. Im Normalzustand (Homöostasis) gibt es verschiedene Regelkreise
mit negativer Rückkopplung. – Sobald ein Hormon ausgeschüttet
wird und eine bestimmte Konzentration erreicht, hemmt dieses Hormon
gleichzeitig jene Faktoren, die die Ausschüttung dieses Hormons
fördern – also seine eigene Neubildung. Die Konzentration
wird auf eine konstante Größe reguliert.
Bei Cortisol (einem der Stresshormone) sieht der Regelkreis folgendermaßen
aus. Die oberste Instanz ist der Hypothalamus, (ein Teil des Zwischenhirns – steuert
die Wärmeregulation, Blutdruck und Atmung, Wasserhaushalt u.a.)
Der H. bildet die Hypothalamushormone wie das Corticotropin-Releasing-Hormon
(CRH). Dieses wird direkt zur Hypophyse (Hirnanhangdrüse) transportiert.
In der Hypophyse wird ein weiterer Botenstoff, das adrenocorticotrope
Hormon (ACTH), in den Blutkreislauf abgegeben. Mit dem Blut gelangt
das ACTH zur Nebennierenrinde und bewirkt dort, dass Cortisol ausgeschüttet
wird.
Wird vermehrt Cortisol ausgeschüttet, entsteht ein negativer Rückkopplungsprozess,
denn das ausgeschüttete Cortisol hemmt die weitere Bildung von
ACTH und somit die weitere Freisetzung von Cortisol.
Durch Cortisol wird für alle Körperzellen mehr Energie bereit
gestellt, aber die körpereigenen Abwehrkräfte beeinträchtigt.
Durch Stress wird nun der Normalzustand des Regelkreises verändert.
Es wird Adrenalin ausgeschüttet. Dies geschieht durch Erregung
des Sympathikus, einem Teil des vegetativen Nervensystems. Adrenalin
verursacht die Steigerung der Pulsfrequenz und der Herzleistung, Erhöhung
des Blutzuckerspiegels, die Erweiterung der Bronchien und Pupillen
usw.
Außerdem wird eine vermehrte Freisetzung des Botenstoffes ACTH
verursacht, was wiederum die vermehrte Cortisolaussschüttung bewirkt.
Der Körper wird in optimale Leistungsbereitschaft versetzt um
zu überleben. Dieser Alarmzustand kann aber nicht lange aufrecht
erhalten werden. Nach der Stressphase muss es zu einer langen Erholungsphase
kommen. Wenn diese nicht möglich ist, entstehen Anpassungskrankheiten,
deren Hauptverursacher Cortisol ist. Nach ca. 20 min ist der Cortisolspiegel
im Blut auf die Hälfte gesunken. Durch anhaltenden Stress sinkt
der Cortisolspiegel aber 4mal langsamer. Dieser Effekt verstärkt
sich mit der Dauer des Stresses weiter!
Stress auslösende Faktoren
• unmittelbare Bedrohung
• Aggression in der Umgebung
• Leinenruck, straffe zu kurze Leine
• zu hoher Anspruch beim Training / im Alltag
• zu viel Bewegung
• zu wenig Bewegung / Aktivität
• Hunger / Durst
• sich nicht entleeren können, wenn nötig
• Kälte / Wärme
• Krankheit und Schmerzen
• Lärm
• Einsamkeit / Langeweile
• schockartige Ereignisse
• Übermaß an aufregenden Objektspielen / Sozialspielen
• plötzliche Veränderungen
• Besitzerwechsel
• Wohnortwechsel
• Verlust des Sozialpartners
Zeichen von Stress beim Hund
• Rastlosigkeit
• Überreaktion auf Ereignisse (Türglocke)
• Einsatz von Beruhigungssignalen
• Übertriebene Körperpflege
• Dinge zerbeißen
• Appetitlosigkeit
• Bellen, Jaulen, Winseln, Heulen
• Durchfall / Erbrechen
• Körper- und/oder Mundgeruch
• verhärtete Muskulatur
• Schuppen, schlechter Fellzustand, Hautprobleme
• sich schütteln
• Veränderung der Augenfarbe
• hinter Schweif herjagen
• hecheln, zittern
• nervöses / aggressives Verhalten
• abwesend reagieren
Erhöhte Aggression ist auch auf die erhöhte Hormonausschüttung – vor
allem auf Testosteron zurückzuführen. Dieses führt zur
einer verringerten Reizschwelle – der Hund reagiert in bestimmten
Situationen heftiger also sonst – z.B. bei anderen Hunden, Kindern,
Joggern und Radfahrern.
Hunde sollten durchschnittlich 17 Stunden pro Tag schlafen/ruhen.
Jede Stunde weniger steigert die Stresssymptome.
Hunde sollten nicht mehr als 4-5 Stunden pro Tag allein bleiben. |